Dialog im Rathaus: Die Kirchengemeinden stehen vor neuen Herausforderungen

Der Mitgliederschwund stellt die Kirchen vor neue Aufgaben – dies war eines der zentralen Themen beim gemeinsamen Austausch zwischen den Vertretern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde und Mosbachs Oberbürgermeister Michael Jann. 

Der Mitgliederschwund stellt die Kirchen vor neue Aufgaben – dies war eines der zentralen Themen beim gemeinsamen Austausch zwischen den Vertretern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde und Mosbachs Oberbürgermeister Michael Jann. Dieser hatte Folkhard Krall, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Mosbach, und Dr. Stefan Rencsik, Pfarrer und Leiter der katholischen Kirchengemeinde Mosbach-Elz-Neckar (MOSE), ins Rathaus eingeladen, um über gemeinsame Themen und aktuelle Herausforderungen zu sprechen. 

Ein wichtiger Berührungspunkt zwischen Stadt und Kirchengemeinden sind die Kindergärten und Kindertageseinrichtungen. Dieter Kautzmann, Abteilungsleiter Bildung und Generationen bei der Stadt Mosbach, berichtete gleich zu Beginn des Gespräches, dass die Neufassung der Kindergartenverträge mit den evangelischen und katholischen Trägern weit vorangeschritten und bis zu den Sommerferien abgeschlossen sein soll. „Die Kindertageseinrichtungen sind ein Markenzeichen der Kirchengemeinden“, unterstrich OB Jann. Ein breites Angebot sei wichtig – ganz unabhängig davon, ob es sich um kirchliche, kommunale oder private Träger handelt. Um Eltern und Kindern unterschiedlicher Herkunft und Konfession einen niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen, sei es essenziell, Hand in Hand zusammenzuarbeiten. „Wir möchten gerne unseren Beitrag dazu leisten“, bekräftigte Stefan Rencsik.
 
Folkhard Krall sprach ein wichtiges Thema an, das die Träger von Kindergärten und Kindertageseinrichtungen in den nächsten Jahren immer wieder beschäftigen wird – den Personalmangel. Man müsse mit Situationen rechnen, in denen über längere Zeiträume Fachpersonal fehle und beispielsweise Gruppenleitungen nicht besetzt werden könnten. Die Stadt und besonders die Eltern seien jedoch auf eine stabile Versorgung auf gutem Niveau angewiesen. „Derzeit tun sich alle Träger schwer, Personal zu finden“, bestätigte OB Jann. Als kurzfristige Lösung könne beispielsweise ein gemeinsamer Pool an Erzieher*innen geschaffen werden, die in Notsituationen einspringen könnten. Mittel- und langfristig brauche es jedoch eine Offensive, die den Beruf der Erzieherin und des Erziehers bereits während der Ausbildung attraktiver mache. Dieter Kautzmann unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung von PiA-Stellen, die von der Stadt großzügig gefördert werden. Die "Praxisintegrierte Ausbildung" ist mit einer verkürzten Ausbildungszeit von drei Jahren und einem Ausbildungsgehalt eine attraktive Alternative zur klassischen Erzieher-Ausbildung. Die befristete Festanstellung von „PiAs“ direkt nach der Ausbildung könne dem Personalmangel entgegenwirken, so Kautzmann. 

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Mitgliederschwundes und der schwierigen Finanzlage bei den Kirchen wurde auch offen über die Zukunft kirchlicher Gebäude gesprochen. Hier herrscht bei der evangelischen und katholischen Gemeinde eine ähnliche Situation, beide Glaubensgemeinschaften stehen vor der Herausforderung, neue Konzepte für die Nutzung ihrer Gebäude zu entwickeln. „Es werden Partner gesucht, aus eigenen finanziellen Mitteln werden sich in Zukunft nicht alle Kirchengebäude halten lassen – egal ob es sich um eine Kirche, ein Gemeindehaus oder ein Pfarrhaus handelt“, erklärte Folkhard Krall. Für Gebäude, die man nicht aufgeben möchte, könne beispielsweise nach kulturellen Nutzungsmöglichkeiten gesucht werden, ergänzte Stefan Rencsik. Auch eine gemeinsame Nutzung mit der evangelischen Gemeinde sei denkbar. 

OB Jann begrüßte die Überlegungen zur engeren Zusammenarbeit unter den Kirchengemeinden. „Der ökumenische Gedanke kann eine Art Blaupause für die Zukunft sein“, so Jann. Liegenschaften könnten künftig von beiden Kirchgengemeinden genutzt und sowohl gemeinsame als auch alternierende Gottesdienste angeboten werden. Mit den ökumenischen Gottesdiensten rund um die Ratsherrenweckfeier und das Totengedenken habe man in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht, der ökumenische Gedanke sei in der Region bereits verankert. Stefan Rencsik unterstrich, dass das ökumenische Zentrum in Neckarelz zusätzliche Angebote erhalten und damit eine größere Belebung erfahren soll.

Dass trotz aller Initiativen in Zukunft nicht jedes Kirchengebäude erhalten werden kann, gab Folkhard Krall zu bedenken. „Wir stehen am Anfang einer neuen Entwicklung und werden es auch mit Trauer und Abschied zu tun haben“, erklärte der Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Mosbach. Auch dürften die Bemühungen um den Erhalt der Gebäude nicht zum Symbol einer leeren Kirche werden. Diese müsse vielmehr nah an den Menschen und zudem in der Lage sein, die aktuellen Herausforderungen zukunftsgerecht und unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten enkeltauglich anzupacken. „Es muss sichtbar werden, dass aus der Kirche eine Kraft kommt“, so Krall. „Lasst uns nicht auf Entscheidungen von oben warten, sondern selbst Konzepte für die Zukunft entwickeln“, betonte auch Stefan Rencsik von der katholischen Kirchengemeinde.